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Sonntag Estomihi

Zum Sonntag: „Esto mihi“, 14.02.2021                                                             

 

Zum Eingang ein Lied :

1. Du hast uns, Herr, gerufen und darum sind wir hier.

Du hast uns, Herr, gerufen und darum sind wir hier.

Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

 

2. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.

Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.

Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

 

3. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist.

Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist,

der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt,

der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

 

Gedanken zu Psalm 31  

            

Nach zweiunddreißig Jahren im Dienst unserer Kirche, wurde ich anlässlich einer Beisetzung mit einem Geschehen konfrontiert, das mir in dieser Massivität noch nie begegnet war.

Es ging mir tagelang nach, ließ mich schlecht schlafen. Ich wollte als „erfahrener Seelsorger“ damit doch „selbst fertig werden“. Indes – es gelang mir nicht. Als mich meine Kollegin - aus anderem Grund - besuchte, merkte sie, dass irgendetwas nicht stimmte.

Da platze es aus mir heraus, ich konnte meinem Unbehagen, meiner Trauer, meiner Wut, meinem Zorn freien Lauf lassen. Endlich!

Und sie? - Was tat sie? Sie blieb da. Sie hörte mir „nur“ zu. Sie sagte zunächst fast nichts. Erst, als ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte, redeten wir miteinander. Ich wurde ruhiger und ruhiger, konnte mit den Gedanken, die wir dann austauschten, nach ein paar Tagen einigermaßen gefasst mit der Sache umgehen.

Warum erzähle ich Ihnen das? Nun diese Situation kam mir gleich in den Sinn,

als ich den Psalm, der unserem heutigen Sonntag den Namen gab, las.

Ich zitiere ihn auszugsweise (jeweils in fettgedruckten Lettern) - Psalm 31 (i.A. EG 716)

 

Herr, auf dich traue ich. Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!

 

Ja, es braucht Ver-trauen, um sich etwas „von der Seele reden“ zu können.

Beim Psalmist war Gott dessen Gegenüber. - Bei mir war es meine Kollegin.

Waren es „ihre“, oder „Seine“ Ohren, die Ohren Gottes etwa, die sich mir zuneigten? Vielleicht verwegen, glaube ich, es waren „beider Ohren“!

 

„Esto mihi in lapidem fortissimum et in domum munitam ut salves me!“

(vulgata, lateinische Bibelübersetzung). Esto mihi..- da ist unser „Sonntagsname“:

Sei mir ein stärkster Fels und ein starkes Haus, dass Du mich rettest.

 

Im gerade beschriebenen Fall, war sie es, an der ich mich halten konnte, die mir ein Gefühl des Geborgenseins, einer guten Umgebung, eines „starken Hauses“ vermittelte, das mir half, loslassen/reden zu können. War sie es, die mich ein Stück ge„leitete“, „führte“, die mir half.

 

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte.

 

Ja, im Nachhinein kann ich mich freuen, offene Ohren, ein offenes Herz gefunden zu haben, offene Lippen, die auch etwas zu meinem Problem sagen konnten, mich weiterbrachten.

 

Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

 

Insgesamt also weiß der Psalmist, was er an Gott hat, und vertraut sich ihm so ganz an:

 

In manibus tuis sortes meæ. - In Deinen Händen steht mein Geschick!

 

Wenn man den ganzen Psalm 31 liest, bietet sich einem ein Wechselbad an Gefühlen dar,

in dem Angst und Klage einerseits, Zuversicht und Hoffnung andererseits sich gegenüberstehen. - Situationen eines Lebens, das Höhen und Tiefen, Gefährdungen und Bewahrung kennt - So, wie in den meisten unserer Leben.

 

Beim Psalmisten hat die Hilfe Gottes das letzte – besser - das entscheidende Wort.

 

Ich freue mich, dass ich mich in oft Worten der Heiligen Schrift wiederfinden kann,

mit meinen Schwächen und Zweifeln, wie auch mit meinen Gewissheiten und Stärken.

Und das Großartige ist, dass dies nicht allein „göttliche“ Worte sind, sondern sie auch oft „Fleisch“ gewinnen, dass wir Ihn auch in unseren menschlichen Gegenübern „sinnlich“ erfahren dürfen, in Menschen, die uns oft hilfreich ansprechen und „dienen“.

 

Ich wünsche Ihnen ähnliche Erlebnisse, und dass Sie immer mehr dem vertrauen können,

der „unser starker Fels ist und unsere Burg ist, die uns rettet.“

 

Amen!

 

Ein Lied, das –wie ich glaube – gut passt: EG 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,

den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.

Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach?

Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach?

Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt,

wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt;

Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu

und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu.

Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen! - Eine gesegnete Zeit!        Ihr Pfarrer Michael Köhl

 

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