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Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti, den 11.4.21

Heute ist der erste Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti nach dem Zitat aus dem 1. Petrusbrief:
„Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja.“

Der Text erinnert an den durch das Osterfest gegebenen Beginn eines neuen Lebens in Jesus Christus.

Die Gläubigen, insbesondere die Neugetauften, sollen sich „wie neugeborene Kinder“ fühlen, nachdem durch die Auferstehung Jesu der Tod besiegt wurde.
Hier klingt die Osternacht als alter Tauftermin an.

 

Psalm 116

1 Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört. 2 Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen. 3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not. 4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich! 5 Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. 6 Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir. 7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes. 8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. 9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Ja, Gott, dir danken wir.

Du schenkst uns neues Leben.

Du hast Jesus Christus von den Toten auferweckt.

Stricke des Todes, die uns umfangen, reißt du entzwei.

Du schenkst uns neue Lebenskraft, befreist aus Einsamkeit und Angst.

DU bist unsere Hoffnung.

Menschen können aufatmen und singen, weil dein Wort vom Tod ins Leben führt. Amen.

 

Jesaja 40, 31 (aus der alttestamentlichen Lesung)

Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Gedanken zum Predigttext (s.u.)

Unsere katholischen Geschwister feiern heute traditionell den „Weißen Sonntag“.

Dazu habe ich das Bild des Kirchenhirten gefunden, der die schwarzen Schafe in einem großen Bottich mit einer ebenso großen Wurzelbürste schrubbt, bis sie weiß sind.

Es hat mich lachen lassen, als ich es gefunden habe.

Ein nachträgliches Osterlachen. Das eine gute Tradition hatte: Mit lustigen Erzählungen brachte man die Menschen am Ostersonntag zum Lachen als Zeichen für die Osterfreude.

Das Bild des Hirten, der die schwarzen Schafe weiß wäscht, zeigt für mich zweierlei:

Ein wichtiges Ostergeschehen: Durch Jesu Tod am Kreuz haftet uns unsere Schuld nicht ewig an, bleiben unsere Fehler nicht dunkle Vergangenheit. Mit dem Osterlicht ist uns ein Neuanfang geschenkt, immer wieder.

Wir sind hineingenommen in das Licht Gottes, heraus aus dem Bannkreis des Bösen.

In der Taufe, mit dem Taufwasser, wird dies auch verdeutlicht. Wir stehen vor Gott da wie unbeschriebene Blätter, wie Neugeborene, weiß gewaschen…

Geheimnis Gottes, das dahintersteht – Gnade, ist, dass de facto natürlich nicht einfach ausgelöscht ist, was da war an Fehlern, die vielleicht in ihrer Konsequenz nicht nur in unser eigenes Leben eingreifen und hineinreichen.

Schneeweiß im übertragenen Sinn sind tatsächlich nur die Neugeborenen.

 

Wir bleiben bunt und schillernd – und in manchem auch fehlerhaft, schwarz.

Das für mich Eindrücklichste in unserem christlichen Glauben:

Gott schreibt mit schwarzen Schafen Geschichte. Gott liebt sie genau wie die anderen. Und in manchen Charaktereigenschaften bringen sie oft vieles mehr voran als die Herde der weißen Schafe – z.B. Petrus:

Er, der am Gründonnerstag so vollmundig dahergerede, dann kurz darauf Jesus dreimal verleugnet hat, er ergreift auch in der folgenden Geschichte die Initiative, bringt das Geschehen voran:

 

Johannes 21 (Predigttext)

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl!

Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

Ohne Petrus hätte es keine Fische gegeben an diesem Tag.

Er ist auch der, der Jesus als den Auferstandenen erkennt und ihm – voller Ehrfurcht - nicht ohne sein Obergewand entgegentreten möchte. Deshalb springt er ins Wasser.

Petrus, der später die Kirche führen soll, dem die Schlüssel gegeben werden, der uns in vielem Vorbild sein kann, aber vor allem erinnert: Gott schreibt auch mit schwarzen Schafen Geschichte.

Dargestellt auf einem zweiten Bild, das ich gefunden habe, auf dem ein Hirte ein schwarzes Schaf auf dem Arm trägt, die weißen stehen drum herum.

Zum Weiterdenken: Auf dem ersten Bild waren vor der großen Wäsche alle Schafe schwarz.

Jeder Mensch ist mal schwarzes Schaf. Alle sind wir unfehlbar.

Daran erinnert uns Hans Küng, der überzeugte, kritische Katholik, der in diesen Tagen gestorben ist und gerade gegen die Unfehlbarkeit des Papstes Einspruch erhoben hat.

Wir alle sind fehlbar. Aber gerade darin von Gott angenommen.

Hinein genommen in das Ostergeschehen – in das Osterlicht Gottes. Amen.

 

Wochenlied: EG 108

1. Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen,
beid, Groß und Klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen.
Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.
2. Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen
und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen,
auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.
3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten
und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten:
So wird es uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not zur ewigen Freud geleiten.

 

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Barbara Schipper, bleiben Sie behütet!

 

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