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Gedanken zum Sonntag „Reminiscere“

Gedanken zum Sonntag „Reminiscere“- „Gedenke!“, den 28.Februar 2021

Eingangslied EG 445:

1. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist,

der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, / dessen starke Hand die Welt,

und was drinnen ist erhält:

4. Hilf, dass ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag / und für meine Seele sorgen,

dass, wenn nun dein großer Tag / uns erscheint und dein Gericht, / ich davor erschrecke nicht.

5. Führe mich, o Herr, und leite / meinen Gang nach deinem Wort; / sei und bleibe du auch heute

mein Beschützer und mein Hort. / Nirgends als von dir allein / kann ich recht bewahret sein.

7. Deinen Engel zu mir sende, / der des bösen Feindes Macht, / List und Anschlag von mir wende

und mich halt in guter Acht, / der auch endlich mich zur Ruh / trage nach dem Himmel zu.

 

Gebet: Gott, hab Dank, dass Du uns auch und gerade in diesen Zeiten mit Deinem Wort dienen möchtest.

Hilf uns, die Texte aus alter Zeit in unseren Alltag übertragen zu können, so dass sie auf guten Boden bei uns fallen und wir mit ihnen und durch sie bewusster, zufriedener, erfüllter leben können. Amen!

 

Vorgegebener Bibeltext für den heutigen Sonntag:

Jesaja 5,1-7 - nach der „Guten Nachricht“

 

Auf fruchtbarem Hügel,                    da liegt mein Stück Land,
dort hackt ich den Boden                   mit eigener Hand,
ich mühte mich ab                            las Felsbrocken auf,
baut Wachtturm und Kelter,              setzt Reben darauf.


Ja, süße Trauben                                erhofft ich zu Recht, -

doch    was dann im Herbst wuchs,   war sauer und schlecht.

Weingarten am Doro, Foto: Michael Köhl

Jerusalems Bürger,                            ihr Leute von             Juda,    
was sagt ihr zum Weinberg,              was tätet denn             ihr da?

 

Die Trauben sind sauer –                   entscheidet                  doch ihr:
War Pflege zu schlecht?                    Liegt Schuld               denn bei mir?


Ich sage euch, Leute,                         das                              tue ich jetzt:

Weg reiß ich die Hecke,                    als Schutz                   einst gesetzt;
zum Weiden soll‘n                             Schaf                           und Rinder jetzt rein
Die Mauer ringsum,                           die reiße ich                nun ein!


Zertrampelnden Füßen                      geb‘ ich ihn                 nun preis,
schlecht lohnte mein Weinberg         mir                              Arbeit und Schweiß!


Ich will nicht mehr hack‘n,                das Unkraut mög‘   sprießen!
Der Himmel soll ihm                         den Regen                   verschließen!

 

Der Weinberg des Herrn                    seid ihr,                         Israeliten!

 

Sein Lieblingsgarten hier,                  oh Juda,                         seid ihr!

Er hoffte auf Rechts-  spruch             doch erntet er                     Rechts-   bruch,

statt Liebe und Treue                         gab’s nur                         Hilfeschreie!“

 

 

Andacht: Ein „geleiertes“ Lied, liebe Gemeinde, ist uns überliefert.

Einst sang es ein Bote vor 2600 Jahren. Er sang von der Liebe Gottes zu Seinem auserwählten Volk,

das dieser doch so gut behandelte, das sich aber so ganz anders verhielt, als Er sich das dachte/wünschte. - Das jedenfalls war die Interpretation des Propheten Jesaja, dessen Beurteilung nach der Zerstörung Jerusalems und nach dem Exil wohl die meisten gläubigen Juden inhaltich zustimmten:

„Gott behandelt uns danach, wie wir handeln - Nach unserem Tun richtet sich unser Ergehen!“.

So könnte man die Glaubensüberzeugung der damaligen Zeit charakterisieren.

Wir haben durch die Verkündigung Jesu ein anderes Gottes Bild:

Dass Seine Liebe zu uns nicht von unserem Wirken, von unseren Werken abhängt, sondern allein von Seiner Gnade, Seiner Barmherzigkeit. „Sola gratia!“

 

Können wir deshalb die Klage Jesajas, besser seine Ermahnung oder seinen impliziten Ruf zur Umkehr, nicht einfach zu den „alt-(testamentliche)en Akten legen! Klar, das könnten wir. Das wäre ein bequemer Umgang von Christen, die wir uns doch auf die „Gut-Botschaft“ Jesu gründen und viele von uns die Gebots- oder Gerichtsgedanken des „ersten Testamentes“ als überkommen betrachten.

 

Auch wenn ich fest an Gottes gnädiges Handeln uns gegenüber glaube, so ist mir doch Sein Wille, von dem wir im Vater Unser immer bitten, dass er geschehe, nicht gleichgültig. Seinen Vorstellungen von einem guten Miteinander, das unter uns Menschen herrschen möge, dass auf gegenseitiger Achtung und Anteilnahme, auf Gerechtigkeit und Ehrlichkeit basiert, in dem jede und jeder das haben soll, was sie und er nötig hat,… denen möchte ich - ohne Zwang und Angst – in all der mir geschenkten Freiheit folgen.

Und so höre ich dieses Lied als eine Anfrage an mich, an die Früchte, die ich erbringe: Süss – oder sauer? Für mich allein bestimmt – oder auch für andere? Und „deren“ Früchte?: Überlasse ich sie den anderen,

den „Erzeugern“– oder will ich mich auch noch an denen laben, mich derer bedienen?

Ich denke an meinen Dienst als Pfarrer, an meine Bezüge, mein „Tun und Lassen“. Wessen Wohlergehen ist mir wichtig? Meines? Das meiner Familie, meiner Freunde,meiner Gemeinde, meiner Mitbürger in Deutschland? Verwende ich überhaupt noch Gedanken an die, um mich herum: an Menschen in China,

die mir meine Hemden nähen, an Frauen in Brasilien, die mir meinen Kaffee ernten,an Männer in Afrika, die für mich „seltene Erden“ fördern? - Oder ganz nah - hier an meine Nachbarn, die sich als Familie eine

3- Zimmer-Wohnung teilen, während ich allein im ansehnlichen Pfarrhaus „residiere“.

„Jetzt hast Du ein schlechtes Gewissen!“ hieß es in einer Werbung der 60er Jahre. Ausgehend von einem weiblichen Geist, der aus einer Hausfrau „heraustrat“ und dieselbe rügte, weil sie nicht das gute Waschmittel für Ihre Familie genommen hatte.

Ja diese Worte, wie viele der Bibel, appelieren tatsächlich an mein Gewissen. Als Christ weiss ich,

dass mich Gott liebt, wie ich auch lebe! Ich muss mich nicht verbiegen, muss keine guten Taten, gute Werke vollbringen, um vor Ihm gut dazustehen, von Ihm geliebt zu werden. Aber ich darf so leben, und mit meiner Umwelt und meinen Nächsten so umgehen, wie ich es für mich selbst wünsche, behandelt zu werden: freundlich, empathisch, ehrlich und gerecht, vielleicht sogar liebevoll -liebend?

Nicht selten vergesse ich das.

„Reminiscere“ – „Gedenke!“ doch der Worte Gottes, die „meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ sein mögen.- „Dein Wille geschehe!“                                                                             Amen!

 

Lied : Viele Wege gibt es auf dieser Welt, doch einen nur können wir gehn! / Und die Frage, die sich mir dadurch stellt ist, welchen Weg ich nehm. / Soll ich den Weg gehen, der mir gefällt? / Such ich einen,

der mir recht bequem? / Doch nicht was ich denke und wünsche zählt. Wie Er führt will ich gehn.

Ref.: Weise mir, Herr, Deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit. / Lass mich’s erkennen, o Herr, und bekennen, dass Du nie einen Fehler machst! / Weise mir, Herr, Deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit; ….

 

Segen  

Gott stärke dein Vertrauen...

...in dich und deine Stärken, dass du mutig deine Wege gehen kannst, geist-geleitet und selbst-bewusst;

...in deine Mitmenschen, dass sie dich als Geschenk unterstützen

   und du an ihnen ähnlich begenen kannst;

... in Gott, dass du mit Ihm als deinem Grund verbunden bleibst, verwurzelt und treu.

 

So segne Dich der drei-eine Gott,

Vater, Sohn und Heiliger Geist,

an diesem Morgen

und geleite dich auf deinem Weg!

                                                                                                                                       Michael Köhl, Pfarrer

 

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