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Gedanken zum 5. Sonntag in der Passionszeit (Judika, 21.3.2021)

Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der
meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. | Psalm 43


Wochenlied: EG 97: Holz auf Jesu Schulter
1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.
3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns:
Alles ist vollbracht.
4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.
5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns:
Warum zweifelst du?
6. Hart auf deiner Schulter, lag das Kreuz, o Herr, Ward zum Baum des Lebens,
ist von Früchten schwer.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.


Meine engsten Freunde verabscheuen mich jetzt; sie, die mir am nächsten standen,
lehnen mich ab! Und ich? Ich bin nur noch Haut und Knochen, bin mit knapper Not dem
Tod entkommen. Barmherzigkeit! Habt Mitleid, meine Freunde! Gottes Hand hat mich
geschlagen! Warum verfolgt ihr mich, wie Gott es tut? Habt ihr mich nicht schon genug
gequält? Ach, würden doch meine Worte in einer Inschrift festgehalten, in Stein
gemeißelt und mit Blei noch ausgegossen, lesbar für alle Zeiten! Doch eines weiß ich:
Mein Erlöser lebt; auf dieser todgeweihten Erde spricht er das letzte Wort! Auch wenn
meine Haut in Fetzen an mir hängt und mein Leib zerfressen ist, werde ich doch Gott sehen!
Ja, ihn werde ich anschauen; mit eigenen Augen werde ich ihn sehen, aber nicht als
Fremden. Danach sehne ich mich von ganzem Herzen! | Hiob 19-27

Liebe Schwestern und Brüder,
wir sind in der Tiefe der Passionszeit angekommen. Das Elend steht uns vor Augen:
Der Psalmbeter klagt: Warum hast du mich verstoßen, Gott?

Das Lied malt uns vor Augen: Unsere Welt klagt uns an bei Tag und Nacht, jagt uns auf den
Abgrund zu.
Dann das schlimme Leid von Hiob, dem Gottesfürchtigen, tief Gläubigen, dem alles
genommen ist und er selbst krank und fast sterbend.
Aus diesem Buch der Bibel kommt uns eine große Frage entgegen: Warum? Warum?
Um Himmel Willen, warum???
Und die Antwort: Wir wissen es nicht. Es gibt keine Antwort auf das Warum.
Die Verfasser dieses Buches räumen mit der Annahme auf, dass Leid Menschen als Strafe
Gottes trifft. Das kann bei Hiob nicht sein. Es gibt ihn so nicht, diesen Zusammenhang.
Wissen wir doch auch: Es sind nicht grundsätzlich die „Bösen“, die Leiden trifft.
Die Frage des Warums müssen wir aushalten.
Hiob ringt um sein Leben, seinen Glauben, ringt mit Gott. In krassen Worten beschreibt er
seine Qual und die Nähe des Todes. Klagt Gott an. Und sieht im Ringen wieder einen
Hoffnungsschimmer: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Und in uns fängt es an zu klingen. Wir hören die wunderschöne Arie von Händel aus dem
Messias, ahnen Ostern, hoffen, dass wir Anteil haben an dieser Erlösung.
Wir, die ganze Welt, mit und ohne Corona.
Lassen wir also nicht locker.
Überlassen wir die Welt nicht sich oder denen, die sie mit aller Gewalt beherrschen wollen.
Ringen wir um Antworten und gangbare Wege.
Lassen wir nicht zu, dass Jesus immer und immer wieder gekreuzigt wird.
Aus der Tiefe, aus der Suche, aus dem Scheitern und trotzdem weitermachen, aus dem sich
Stellen dieser Dunkelheiten erwächst der Glaube: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Amen.

Wir beten:
Gott, kein Schmerz, den du nicht kennst.
Kein Schmerz ist in uns oder in der Welt, den du nicht kennst.
Du hast die tiefsten Orte der Welt berührt.
Lass uns mit dir trauern um den Verlust des Lebendigen, das ständig getötet wird.
Kein Ort in den Himmeln, der nicht angerührt werden kann
durch die Gegenwart deiner Auferstehung, denn du erfüllst
alle Dinge.
Lass uns dem Sieg über den Tod vertrauen, um in den Weg
der Liebe hineinzuwachsen.
Da gibt es keine Verzweiflung, sondern Keime der Hoffnung
und Zeichen des Friedens.
Amen.
(Sigrid Holzbrecher)

Ihre Pfarrerin Barbara Schipper

 

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