Logo Lu Süd

Aktuelles

Gedanken zum 4. Sonntag in der Passionszeit (Lätare, 14.3.2021)

Heute feiern wir den Sonntag Lätare („Freut euch“). Dieser vierte Sonntag in der Passionszeit trägt
diesen Namen nach der lateinischen Antiphon „Freue dich mit Jerusalem“ (Jesaja 66.10).
Der Sonntag gilt als das kleine Osterfest. Die Hälfte der Passionszeit ist geschafft, Ostern ist nicht
mehr gar so weit. Im Mittelalter wurde an diesem Sonntag das Fasten unterbrochen.
Deshalb ist der Wochenpsalm auch ein Lobpsalm:


PSALM 84
2 Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! 3 Meine Seele verlangt und sehnt sich nach
den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. 4 Der Vogel
hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth,
mein König und mein Gott. 5 Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.
Sela. 6 Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! 7
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in
Segen. 8 Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. 9 HERR, Gott
Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela. 10 Gott, unser Schild, schaue doch; sieh
an das Antlitz deines Gesalbten! 11 Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler. 12 Denn
Gott der HERR ist Sonne und Schild; / der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln
lassen den Frommen. 13 HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Lesung:

Jesaja 54
7 Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich
sammeln. 8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber
mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. 9 Ich halte es wie
zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So
habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. 10
Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir
weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.
Predigttext: Johannes 12
20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die
heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem
Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in
Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir
wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es
Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus.
23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die
Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn
verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt
und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt,
bringt es viel Frucht.

Liebe Schwestern und Brüder,
Freude und Trost kennzeichnen diesen Sonntag. Das Passionsmotiv bleibt trotzdem und wird uns
mit dem Bild des sterbenden Weizenkorns sehr bildlich vor Augen geführt.

Erst dadurch, dass es in die Erde gelegt wird, kann es zu neuem Leben erwachen. So auch, wenn
Menschen sterben. Wir geben sie der Erde zurück, von der wir Menschen bei unserer Schöpfung
genommen wurden.
Und dann: das geschenkte neue Leben. In Ewigkeit. So unser Glaube.
Dieser Auferstehung geht Gottes Handeln voraus, die Auferweckung Jesu Christi von den Toten, in
die wir in Folge mit hineingenommen wurden.
Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass alle neutestamentlichen Passionstexte nach-österliche
Texte sind: Jeder menschlichen Deutung der Passion geht Gottes Geschenk des neuen Lebens
durch die Auferweckung von den Toten voraus. Deshalb sind besonders die Texte dieses Sonntags
von Ostern her zu lesen und zu verstehen: Menschliches Leid muss durchlitten sein. Darin sind wir
nicht allein, sondern haben den an unserer Seite, der selbst gelitten hat bis zum Tod.
Doch das Leiden hat nicht das letzte Wort. Auch nicht der Tod.
Gottes Liebe erweckt zu neuem Leben – so wie es im Wochenlied heißt:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Wochenlied: EG 98: Korn, das in die Erde
1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Gerade in dieser Passionszeit brauchen wir eine „Verschnaufpause“.
Feiern wir heute also das „kleine Ostern“. Und nehmen dazu das so starke Wort des Propheten
Jesaja mit:
10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir
weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.
Amen.
Wir beten:
Lebendiger Gott,
besser ist es, wenn wir uns einen Tag in deiner Nähe wissen,
als wenn wir tausend Tage im Schein des Glücks einhergehen.
Gott, höre unser Gebet,
wenn wir durch das Tal des Weines gehen, wenn wir traurig sind
und Wunden früherer Tage uns schmerzen.
Vergiss uns nicht.
Lass uns nicht allein, sondern schenke uns in dir eine Herberge,
reich von deiner Liebe.
Amen.
Aus dem 2. Wochenlied „Jesu, meine Freude“ (EG 396):
Weicht, ihr Trauergeister! / denn mein Freudenmeister, / Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben, / muss auch ihr Betrüben / lauter Freude sein.
Duld ich schon hier Spott und Hohn, / dennoch bleibst du auch im Leide, / Jesu, meine Freude.

 

« zurück