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Andacht zu Palmsonntag (Palmarum, 28.03.2021)

Eingangslied, EG 351,1

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich;

sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde

und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

Paul Gerhard, 1653

Wochenspruch: Joh 3,14bf

so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Gebet:

Gott, an Palmsonntag zog Jesus unter Jubel in Jerusalem ein, am Karfreitag riefen sie: „Kreuziget ihn!“ - und er starb auf Golgatha! Was soll ich glauben? –

Ist Er wirklich der ersehnte Messias, ist Er auch mein Retter, mein Erlöser?

- Oder ist alles nur überlieferte Einbildung? - Schenke mir Wege zur Antwort! Amen!

Schriftlesung:

Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht. Unsere Vorfahren lebten diesen Glauben. Deshalb hat Gott sie als Vorbilder für uns hingestellt. Da wir nun so viele Zeugen des Glaubens um uns haben, lasst uns alles ablegen, was uns in dem Wettkampf behindert, den wir begonnen haben – auch die Sünde, die uns immer wieder fesseln will. Mit Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein auf Jesus. Er hat uns den Glauben geschenkt und wird ihn bewahren, bis wir am Ziel sind. Weil große Freude auf ihn wartete, erduldete Jesus den Tod am Kreuz und trug die Schande, die damit verbunden war. Jetzt hat er als Sieger den Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes eingenommen. Vergesst nicht, wie viel Hass und Anfeindung er von gottlosen Menschen ertragen musste, damit auch ihr in Zeiten der Verfolgung nicht den Mut verliert und aufgebt. |Hebräer 11,1+2 & 12,1-3

Altarvers, EG 98,1

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -

Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:

Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

Gedanken zum Text:

Du kannst mir ruhig glauben… sagt einer zu mir. - Und ich?

Wie reagiere ich auf diese Aufforderung. Da lese ich von „Enkeltricks“, höre von Schiebereien, erinnere mich an einen Verkäufer, der mich verschaukelt hat. Nein!

So einfach kann ich dieser „Einladung“ nicht folgen. Da melden sich gleich Bedenken, Zweifel. – Mein Verstand schaltet sich ein: Ich such‘ nach Gewissheiten, doch die bekomm‘ ich nicht. Dann müssen eben Gegenargumente, -beweise her - aber die find‘ ich auch nicht. Wie damit umgehen? Ich könnt‘s aufschieben, mich nicht mehr damit befassen, verdrängen …. Aber das befriedigt mich nicht - ist keine Lösung.

Ich kann mich nicht drum drücken; muss ich mich letztlich „entscheiden“. Entscheiden, aber wie – auf welcher Grundlage? Vor dieser Frage stehen wir öfter, bei „Nebensächlichem“, wie auch bei wichtigen, folgenreichen Angelegenheiten.

Und je wesentlicher „die Sache“ ist, desto schwieriger wird es. Wie machen Sie das?

Jede und jeder hat da wohl seine eigene Strategie: Bei Kleinigkeiten? - Vielleicht ganz spontan, die Konsequenzen sind ja begrenzt.- Bei Existentiellem? - Da besinne ich mich an „Zurückliegendes“. „Erfahrung is die bescht Schul, awwer die deierscht!“

sagte meine weise Tante Anna, als ich Kind war. Und je älter ich wurde, desto mehr schätzte ich ihren Rat. Und so gedenke ich meiner Erfahrungen, die weit zurück-reichen. Denke an Kindheitserlebnisse, Erlebnisse in der Schule, bei der Bundeswehr, in Berufsausbildung, Studium und Beruf. Denke dabei in erster Linie an die Menschen, die mir sehr nahestanden: An Mama, Papa, meine Geschwister, die Familie, gute Freunde, Geliebte, Gruppenleiter, Lehrer, Seelsorger, Kolleginnen, Gemeindeglieder …. Eine ganze „Wolke von Zeugen“ tut sich da auf, Menschen, denen ich vertrauen durfte und immer wieder neu kann.      Genauso denkt auch der Schreiber des Hebräerbriefes zurück an seine Ahnen und die des Volkes Israel. In den Versen,

die zwischen denen unseres Predigttextes liegen, beschreibt er Zeugnisse von Erzmüttern und –vätern Israels, bedeutenden Menschen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben und ihren Nachkommen vererbten, sie quasi als „Testamente“ hinterließen. Das geht von Noah, über Sarah, David bis hin zu Maria und Martha

- um nur einige zu nennen. All diese haben IHN erfahren. Erlebt, als einen, der sie angesprochen/auserwählt hat, ihnen Perspektiven eröffnet, bisweilen Unglaubliches verheißen hat, der sie begleitete, zu Seinem Wort stand und es hielt. Anknüpfend

an ihre Erfahrungen eröffnet der Autor eine Perspektive für das weitere Leben seiner ersten Adressaten, der jungen Christinnen und Christen: „Lasst uns alles ablegen, was uns behindert/fesselt. Lasst uns auf das ausrichten, was wichtig ist in unserem und für unser Leben. Lasst uns auf Jesus konzentrieren.

Den, der uns Vertrauen geschenkt hat und uns Gedanken der Liebe, der Gnade, der Barmherzigkeit geschenkt hat, uns ein Leben in Gemeinschaft im Reich Gottes versprochen hat. Er, der für uns durch Leid und Tod gegangen ist, Er erwartet uns jetzt im Haus unseres Vaters. Auch wenn unser hiesiges Leben vielleicht durch Rückschläge und schwierige Phasen gekenn-zeichnet sein wird, denkt an Ihn, Sein Vorbild und an das, was uns alle erwarten wird! Behaltet euren Mut und die Zuversicht, ja euren Glauben!“- Fast 2000 Jahre sind seit diesen Worten vergangen. Und ja, die Christenheit musste viel Verfolgung erleiden. Einzelne Zeug*innen, Glaubensgruppen mussten durch Jahrhunderte hindurch immer wieder neu bis in unsere Tage viel Unbill erleiden – Doch gleichzeitig gaben sie ihre Glaubensinhalte, ihre festen Überzeugungen von Generation zu Generation als wertvollen Schatz ihren Kindern weiter.        „Du kannst mir glauben…“ - Wenn Jesus

das zu mir sagt, bin ich heute genauso angesprochen, wie die Frauen und Männer,

die einst um Ihn waren. Dann tauche ich ein in die Wolke meiner Erfahrungen,

die meiner Freunde, Eltern, Ahnen, ja auch die der Zeugen in den Testamenten.

Mit deren Hilfe, mit dem, was ich und sie erlebe und erlebt haben, kann ich zu einer Antwort für mich finden und -   habe sie gefunden.

Ich wünsche Ihnen einen guten „Ausflug“ in „Ihre Cloud“, Ihre Wolke der Erfahrungen und Erlebnisse. Ich wünsche Ihnen, dass Sie zu einer Antwort kommen,

die Ihnen gemäß ist, die Ihnen ein guter Begleiter in Ihrem Leben ist und sein wird.                      

Amen!

Gebet:

Vater unser

Lied vor dem Segen, EG 171,4

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen,

dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen.

Segen: Der Gott, der Abraham und Sarah auf ihren Wegen behütet hat, der die Kinder Israels aus Gefangenschaft befreit und Vielen den Weg zu Christus gezeigt hat,

der geleite Dich auf Deinen Wegen und lass Dich Seine Gegenwart erfahren. Er mehre Deinen Glauben, stärke Deine Hoffnung und fördere Deine Liebe. Er schütze Dich vor Gefahren, gewähre Dir Momente des Glücks. So segne Dich der eine Gott, der Dich liebt.

 

Ihr Pfarrer Michael Köhl

 

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