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2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimä)

Gedanken zu Lukas 8, 4-8

Predigttext am 7. Februar 2021 (2. So. vor der Passionszeit)

von Barbara Schipper

 

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! | Lukas 8, 4-8

 

„Ohren auf“ – so habe ich oft in der Schule gehört. Und dann war klar: Jetzt kommt etwas Wichtiges, so zumindest die Bewertung der Lehrerin. Und für die meisten von uns war das der Anlass, hinzuhören, mitzuschreiben, der Versuch sich zu merken, was dann gesagt wurde, denn man würde es wohl noch brauchen….

„Wer Ohren hat zu hören, der höre“ – das hat nicht nur mit der eigenen Aufmerksamkeit zu tun, sondern „euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen“, sagt Jesus an anderer Stelle. Also ist es ein Geschenk Gottes hörende Ohren zu haben.

„Mach mir nicht die Ohren voll“ oder „lieg mir nicht in den Ohren“ – klare Abwehrversuche, wenn es Menschen zu viel wird, was sie hören. Zur Zeit geht es uns wohl öfter so, wenn wir die neuesten Informationen bekommen zu Corona oder Impfung und vielem mehr. „Manchmal kann ich es nicht mehr hören.“

Wer Ohren hat zu hören, der höre! Vielleicht ist das heute ein wichtiger Impuls, damit wir innehalten und unterscheiden, was wir hören.

Damit wir aufmerksam hinhören dort, wo jemand uns Aufbauworte sagt, Gutes wünscht, Schönes erzählt. Und dass wir ab und zu einmal die Ohren verschließen, wenn unser Herz und unsere Seele genug haben von den schlechten Nachrichten.

Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Die Einladung für Gottes Wort die Ohren auf zu machen, für dieses Gleichnis, das daher kommt wie ein alter Bekannter.

Heute können wir auf dieses Gleichnis hören, in dem wir es je für uns laut lesen. Vielleicht sogar mehrfach. Laut oder leise oder laut und leise, betont, unbetont, dramatisch, geheimnisvoll oder so, wie wir denken, dass Jesus es gesagt hat.

Dabei wird uns das Gleichnis neu begegnen, zu Herzen gehen. Zumindest ist das die Erfahrung mit dieser Lesemethode.

Wenn Sie möchten, probieren Sie es aus. Und können dabei auch das Wort anstreichen und bedenken, das Ihnen ganz quer im Ohr und im Magen liegt oder das, das sich ans Ohr schiegt und das Herz wärmt.

Wenn Sie möchten, probieren Sie es aus.

Oder lesen weiter, welche Worte mir dieses Mal im Ohr geblieben sind:

Die Dornen…

Hier wuchernd und erstickend.

Warum hat sie niemand ausgerissen? Keine Zeit, kein Auge dafür? Oder zu spät erkannt?

Was überwuchert das, was mir guttäte und Blüten treiben könnte?

Habe ich den Mut das auszureißen und am weiteren Wachstum zu hindern?

Oder kann ich es nicht unterscheiden, was Unkraut ist und was Früchte tragen wird?

Die Dornen…

Wir sind schon unterwegs zur Passionszeit. Der Weihnachtszyklus ist abgeschlossen.

Die Passionszeit naht – und wird wieder im Karfreitag gipfeln – samt der Dornenkrone,

samt den Dornen, die Jesus auf sich genommen hat um sie uns zu nehmen.

Die Dornen dürfen das Leben nicht dauerhaft überwuchern.

Denn es wird hundertfach geschenkt.

In Fülle. 100 Körner aus einem Korn.

Das geht nur, wenn mehrere Halme aus einem Saatkorn wachsen – so gewesen bei den alten Getreidesorten.

Das geht nur, wenn Gott seinen Segen dazu gibt.

Unbegreiflich.

Unbeschreiblich.

So ist Gottes Fülle.

 

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

Wir beten:

Gott, wir danken dir, dass deine Stimme in dieser Welt zu hören ist.

Du machst uns Mut, wenn wir Angst haben. Du schenkst uns Zuversicht, wenn wir zu verzagen drohen. Du machst uns tapfer und stark.

Du schenkst Leben.

Wir bitten dich für alle, die dein Wort brauchen – für die Einsamen und Verzweifelten, für die Kranken und Sterbenden, für die, die keinen Ausweg sehen.

Schenke ihnen Hoffnung in dir.

Lass dein Wort Gehör finden in Kirche und Politik, damit Frieden und Gerechtigkeit wachsen und nicht die Überhand gewinnt, was Menschen klein macht und Gemeinschaft zerstört.

Wir sagen dir, was uns beschäftigt und vertrauen darauf: Du hörst.

Wir verbinden uns mit dir und untereinander im Vaterunser

 

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

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